Die Sucht nach Pornografie
Der Konsum von Pornografie gilt als „normal“ und unproblematisch. Mithin ist die Sucht nach Pornografie ist zu einem ernsten Problem für viele Männer geworden. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter der Sucht nach Pornos. Männer sind etwa viermal häufiger betroffen als Frauen.
Die Hirnaktivität von Pornosüchtigen gleicht denen von Drogenabhängigen. Wie bei jeder Sucht folgt auf ein euphorisches High ein psychisches Tief, das zwanghaft mit einem neuen Kick am Monitor vertrieben wird. Der Pornosüchtige ist gefangen in einem Sucht-Loop, das nach mehr Sexmaterial und nach härteren Szenen verlangt, um ein Gefühl der Befriedigung (durch euphorisierende Dopaminausschüttungen) erleben zu können.
Desozialisation
Eine weitverbreitete Suchtkombination ist Gaming in Verbindung mit Pornokonsum. Die Folgen: Der Süchtige verliert das Interesse an sozialen Kontakten und verabschiedet sich immer mehr aus dem realen Leben. Auch die Hirnfunktionen verändern sich. Die sexuelle Überstimulation stumpft das natürliche Lustempfinden ab, bis es schließlich ganz zum Erliegen kommt. Exzessive Gamer und Pornokonsumenten erleben oft Erektionsstörungen und sind häufig nicht in der Lage, realen Sex als stimulierend zu empfinden.
Prof. Philip Zimbardo (ehemals Standford University) spricht von einer alarmierenden „Krise der Männlichkeit“. Die Betroffenen lernen nicht mehr, mit echten sozialen und emotionalen Herausforderungen umzugehen, was zu einem ernsten Problem in unserer Gesellschaft geworden ist.
MRT-Studie
Dr. Valerie Voon von der Cambridge University untersuchte die Gehirne von Männern, deren Alltag von Pornografie bestimmt wird. Als Kontrollgruppe dienten gesunde Männer. Beiden Versuchsgruppen wurde während des Hirnscans pornografisches Material präsentiert. Pornosüchtige Männer zeigen im fMRT eine doppelt so hohe Erregung im Belohnungszentrum des Gehirns wie die Kontrollgruppe. Sobald etwas verlockend erscheint, schüttet der nucleus accumbens den Neurotransmitter Dopamin aus, der euphorisch macht. Zeigt man den Intensivnutzern den Suchtstoff, reagiert das Belohnungszentrum sofort und ihr Gehirn verlangt nach dem Stimulus. Das Ergebnis der Studie: Pornografie ist suchterzeugend.
Hypersexualisierung
Kostenlose Internet-Pornografie hat in der modernen Welt eine widernatürliche Kultur der Hypersexualisierung erschaffen. Regelmäßige Konsumenten regieren auch im Alltag unangemessen stark auf körperliche Reize, wie knappe Kleidung oder tiefe Ausschnitte und verspüren den inneren Drang, ihr sexuelles Verlangen sofort zu befriedigen. Jeder vierte männliche Teenager ist bereits pornosüchtig. (Nicht selten führt Pornosucht auch zum Konsum von Kinderpornografie, da das abgestumpfte Lustzentrum nach stärkeren Reizen verlangt.)
Frei verfügbare Pornografie im Internet ist vergleichbar mit Kokain in unseren digitalen Geräten. Einmal konsumiert, fordert das Gehirn sofort nach einem Erregungs-Nachschub. Je früher Pornografie konsumiert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich eine Sucht entwickelt.
Das Verlangen nach pornografischer Stimulation lässt sich mit klassischen Therapien nur schwer in den Griff bekommen, da sich die biochemischen Erregungsmuster beim Konsum im Gehirn verankern und fortan unbewusst das Denken, Handeln und Fühlen des Users steuern. Der Betroffene bleibt meist gefangen in einem ständigen inneren Kampf, der Energie, Selbstwert und Lebensfreude raubt.
Fazit
Pornografiekonsum ist hinsichtlich des Suchtpotentials alles andere als unbedenklich. Je jünger der Konsument ist – desto weniger Reize das Alltagsleben bietet und je weniger Perspektiven, Zuwendung und Liebe der Mensch im realen Leben erfährt, desto stärker ist der Bann dieser Online-Droge und kann in eine zwanghafte Abhängigkeit führen.
Quellenhinweise:
Philip Zimbardo: „Man, Interrupted: Why Young Men Are Struggling & What We Can Do about It“, Red Wheel 2016
Zhang, Y., Wang, X., Li, J., & Chen, H. (2023). The association between problematic pornography use, psychological distress, and sexual dysfunction: A systematic review and meta analysis. Frontiers in Psychology, 14, 1234567.
Info-Links:
http://www.cam.ac.uk/research/news/brain-activity-in-sex-addiction-mirrors-that-of-drug-addiction
https://www.cam.ac.uk/research/news/online-porn-may-feed-sex-addicts-desire-for-new-sexual-images
